Alpha-Liponsäure – Antioxidans, gegen Umweltgifte und Zellalterung
Alpha-Liponsäure ist für zwei wirkungsvollen Funktionen bekannt - ihre Energie bringenden Qualitäten und
als Antioxidans. Liponsäure wurde in der weltberühmten Zeitschrift „Scientific American" (Sommer 2000,
Band 11, Nummer 2, Seite 42) als mögliche Zusammensetzung mit gesundheitserhaltenden Eigenschaften
mit großem Potential anerkannt. Liponsäure wurde 1951 entdeckt, als erkannt wurde, dass sie den
Mitochondrien, das Kraftwerk unserer Zellen ermöglicht, die Nahrung in Energie umzuwandeln. In den
Mitochondrien wird Energie durch Abbau von Nährstoffen erzeugt. Liponsäure ist allgemein als Chemikalie
bekannt, die die Mitochondrien in ein wirkungsvolles Antioxidans umwandeln, vorausgesetzt es ist genügend
Liponsäure im Körper vorhanden. Da die Mitochondrien nur alle 10 Tage im Körper wieder hergestellt werden,
ist es erforderlich, diese durch regelmäßige und vitaminreiche Ernährung zu unterstützen. Alpha-Liponsäure
wird oft als „universelles" Antioxidans bezeichnet, da sie die Fähigkeit hat, wasserlösliche sowie fettlösliche
freie Radikale zu neutralisieren.
Dieses ist einer der Hauptunterschiede zwischen Alpha-Liponsäure und den antioxidativen Grundvitaminen
wie dem wasserlöslichen Vitamin C und dem fettlöslichen Vitamin E. Wegen ihrer energieverleihenden
Eigenschaften wurde Liponsäure zeitweise auf Grund ihrer vorteilhaften Auswirkungen auf die Leberfunktion
verwendet. In dieser Hinsicht scheinen ihre analeptischen Eigenschaften von jüngsten Forschungsergebnissen
bestätigt zu sein. Dies wurde bei der Suche nach Beweisen für eine erkennbare Verbesserung der
allgemeinen Körperenergie, die der Erfahrung von Benutzern von Nahrungsergänzungen entspricht, bemerkt.
Die Verwendung von Liponsäure als wirkungsvolles Antioxidans hat zugenommen. Der Hauptgrund dafür
ist, dass der Körper routinemäßig Alpha-Liponsäure in Dihydroliponsäure, ein offenbar noch wirksameres Antioxidans,
das fähig ist, den schädigenden Auswirkungen von „peronitriten" Radikalen entgegenzuwirken,
umwandelt. Außerdem hat Liponsäure in ihrer Form als Dihydroliponsäure die Fähigkeit, Vitamin C wiederherzustellen,
welches wiederum Vitamin E neu bilden kann. Durch die „multiplen Vorteile" dieser Eigenschaften
der Liponsäure kann ihre Popularität unter einer großen Vielfalt an Nahrungsergänzungsbenutzern,
vor allem bei speziellen Benutzern wie Sportlern, die ihren Energiemetabolismus optimieren möchten,
erklärt werden. Ein weniger bekannter Grund spricht ebenso für die Einnahme von Liponsäure als
Nahrungsergänzung, weil sie eine an rotem Fleisch und tierischem Fett arme Ernährung (welche Sportler
heutzutage versuchen zu meiden), ausgleicht, wobei rotes Fleisch und tierische Fette eine reiche Quelle an
Liponsäure sind. Aus ähnlichen Gründen ist Liponsäure eine sehr beliebte Nahrungsergänzung bei
Vegetariern und Veganern. Liponsäure ist ebenfalls durch ihre unterstützende Hilfe gegen die Bildung von
grauem Star in den Vordergrund getreten. Die wasserlöslichen und antioxidativen Eigenschaften von
Liponsäure führen zur oxidativen Entlastung des wasserhaltigen Milieus der Augen.
Alpha-Liponsäure - Eckpfeiler eines Netzwerkes von Antioxidanzien
Da wir nur eine geringe Menge der Alpha-Liponsäure über bestimmte Nahrungsmittel wie Spinat, Kartoffeln
und rotes Fleisch aufnehmen ist eine extra Zufuhr dieser bemerkenswerten Moleküle sehr zu empfehlen, um
nach Möglichkeit eine wirklich optimale Gesundheit zu gewährleisten.
Was die Alpha-Liponsäure so hervorhebt ist ihre außergewöhnliche Fähigkeit andere Antioxidanzien
regenerieren zu können und in ihrer Rolle als Eckpfeiler für ein komplexes Netzwerk von Antioxidanzien ein
Maximum an Wirksamkeit aus ihnen herauszuholen. Dieses Netzwerk von Antioxidanzien besteht im
wesentlichen aus fünf Substanzen - Vitamin C, Vitamin E, dem Coenzym Q10, Glutathion und eben der Alpha-
Liponsäure. Ihre vorteilhafte Wirkung liegt unter anderem in der Fähigkeit der wechselseitigen Regeneration
zur Aufrechterhaltung der antioxidativen Kapazität jedes einzelnen dieser Stoffe.
Normalerweise sieht es so aus, dass, wenn ein Antioxidanzienmolekül ein freies Radikal neutralisiert, das
Antioxidanzienmolekül dergestalt oxidiert, dass es nicht zur ursprünglichen antioxidativ wirksamen Form
reduziert (zurückgebildet) werden kann, um erneut ein anderes freies Radikal im niemals endenden
biochemischen Reigen neutralisieren zu können. Das derart neutralisierte Antioxidanzienmolekül ist damit für
weitere Aufgaben verloren und muss jetzt als Abbauprodukt zur Ausscheidung gebracht werden.
Das antioxidative Netzwerk
Das antioxidative Netzwerk besteht aus den sogenannten großen 5 Antioxidanzien Vitamin C, Vitamin E,
Coenzym Q10, Glutathion und der Liponsäure und stellt als solches ein einmaliges biologisches System
der Gesundheitsvorsorge und Regeneration dar. Über verschiedene chemische Interaktionen sind diese
Antioxidanzien in der Lage ihre antioxidative Kapazität nach Oxidation durch gegenseitige Reduktion wieder
herzustellen.
Die umfangreichsten Untersuchungen die jetzt zur Aufklärung der Natur dieses antioxidativen Netzwerkes
geführt haben, sind an der Universität von Kalifornien in Berkeley von Dr. Lester Packer und seinen Kollegen
durchgeführt worden. Dr. Packer ist Professor für Molekular- und Zellbiologie und Direktor des Packer Labors
der Universität.
Vitamin C (wasserlöslich)
Vitamin C (Ascorbinsäure) ist unter den 5 Antioxidantien wohl das bekannteste und am häufigsten verwendete
Antioxidanz. Als Vitamin ist es eine Substanz, die unser Körper braucht, die er aber nicht selbst synthetisieren
kann, so dass wir auf die Zufuhr von außen angewiesen sind. Vitamin C ist für ein gesundes Immunsystem
von größter Wichtigkeit. Es schützt des weiteren
a) vor Erkältung und anderen viralen Erkrankungen.
b) die DNA vor Schädigungen durch freie Radikale (z. B. der Entstehung von Krebs)
c) vor Katarakt, hat daneben aber noch eine Reihe weiterer Funktionen und Aufgaben, wie die Beteiligung am
Kollagenaufbau, der Adrenalinsynthese über das Tyrosin u. vieles mehr. Eine der wichtigsten Vorteile des
Vitamin C in Bezug auf kardiovaskuläre Gesundheit besteht in seiner Fähigkeit, das Vitamin E im Hinblick auf
seine antioxidativen Eigenschaften regenerieren zu können. Die Liponsäure vermag dies ebenfalls, aber
Vitamin C kann dies selbst noch besser.
Vitamin E (fettlöslich)
Vitamin E (alpha-tocopherol und sieben andere eng verwandte Substanzen) wird im Blutstrom von
Lipoproteinen transportiert - die gleichen Moleküle die auch das Cholesterol transportieren - das auf diese
Weise vor der Oxidation geschützt wird. Damit wird das Vitamin E zum wichtigsten Antioxidanz für unsere
kardiovaskuläre Gesundheit, weil eine Oxidation der Lipoproteine der Auslöser für die Bildung von
Ablagerungen in den Arterien (die Plaquebildung) und damit die Ursache für Herzattacken darstellt. Nur im
antioxidativen Netzwerk ist Vitamin E in der Lage sich frei in und zwischen den fetthaltigen Teilen der
Zellmembranen zu bewegen und diese damit vor oxidativer Schädigung durch freie Radikale zu schützen.
Besonders wichtig ist dabei der Hautschutz vor einer Schädigung durch Sonneneinstrahlung, der Schutz vor
Arthritis und anderen entzündlichen Erkrankungen sowie vor bestimmten Krebsarten.
Coenzym Q10 (fettlöslich)
Auch das Antioxidanz CoQ10 ist an einer Regeneration des Vitamin E beteiligt und diesem in seiner Struktur
sehr ähnlich, ist aber kein Vitamin, weil es vom Körper selbst hergestellt werden kann. Es ist als Ergänzung
zur täglichen Ernährung sehr zu empfehlen und sollte besonders in vorgeschrittenem Alter gerade im Hinblick
auf die Erhaltung eines gesunden Herzens und der umgebenden Gefäße extra zugeführt werden, weil die
körpereigene Q10 Produktion mit steigendem Alter in zunehmendem Maße abnimmt. Das Coenzym Q10
findet sich in allen Zellmembranen unseres Körpers ebenso wie in den Mitochondrien der Zellen, wo es bei der
für alle Lebensprozesse so wichtigen Energiegewinnung im Krebszyklus beteiligt ist. Dieser
Energiegewinnungsproezess produziert nun aber selbst wiederum eine Vielzahl freier Radikale und zwar weit
mehr als wir aus den verschiedensten Quellen von außen aufnehmen, so dass gerade hier in den
Mitochondrien der antioxidative Wirkmechanismus des CoQ10 so wichtig ist. Der wahre Held im Hinbnlick auf
die Sisyphusarbeit einer umfassenden Neutralisation der anfallenden freien Radikale ist jedoch das
Glutathion.
Glutathion (wasserlöslich)
Glutathion ist wohl das wichtigste von allen Antioxidazien und damit das Meisterantioxidanz unseres Körpers.
Es wird in unseren Zellen synthetisiert, wo es den Kampf gegen den Ansturm der im Krebszyklus bei der
Glucoseverbrennung zur Energiegewinnung anfallenden freien Radikale anführt. Glutathion spielt eine
wichtige Rolle bei den Entgiftungsaufgaben der Leber, ist für ein gesundes Immunsystem von großer
Bedeutung und ein wichtiger Regenerator des Vitamin C. Es ist damit wohl unnötig auf die Bedeutung einer
extra Zufuhr hinzuweisen. Glutathion ist ein Tripeptid - drei in einer Kette angeordnete Aminosäuren die leicht
vom Verdauungssaft des Magens zerlegt werden, um dann über den Blutstrom sogleich den Zellen zugeführt
zu werden. Glücklicherweise produziert unser Körper relativ viel davon (die zelluläre Konzentration liegt z. B.
millionenfach über der des Vitamin E) und die Liponsäure trägt durch ihr Regenerationsvermögen dazu bei,
dieses Niveau nach Möglichkeit aufrecht zu erhalten.
Der Bedarf an Antioxidantien endet nie
Im Rahmen des genannten Netzwerkes von Antioxidantien tendieren die chemischen Interaktionen zwischen
diesen Molekülen zur Regeneration, zurück zur alten antioxidativen Kapazität, um immer wieder aufs neue
zum Angriff auf freie Radikale bereit zu sein. Das wirksamste Molekül zur Stimulation dieses Regenerationsprozesses
und das einzige das wiederum alle anderen zu regenerieren vermag ist die Alpha-Liponsäure. Die
regenerativen Prozesse verlaufen keineswegs in voller Perfektion und es ist ein ständiger, unerwünschter
Verlust an antioxidativ wirksamen Molekülen zu verzeichnen. Des weiteren verlaufen all unsere biochemischen
Stoffwechselprozesse keinesfalls gleichmäßig und ständig. Die Rate des Verlustes an Antioxidantien
hängt zum großen Teil von der Produktionsrate der Antioxidantien und diese vollzieht sich nur in Schüben,
besonders nach einer Mahlzeit oder intensiver körperlicher Aktivität wenn die Stoffwechselprozesse ihre
Höhepunkte erreichen. In jedem Fall müssen die Verluste an Antioxidantien durch chemische
Synthesetätigkeit unseres Körpers und durch Zufuhr von außen wieder aufgefüllt und ergänzt werden. Mit den
Vitamin-Antioxidanzien ist die Ergänzung nicht nur eine Möglichkeit sondern geradezu eine Notwendigkeit,
denn per Definition ist der Körper nicht in der Lage Vitamine selbst zu synthetisieren.
Weitere Infos:
Alpha-Liponsäure, auch Thioctsäure genannt, ist eine schwefelhaltige Fettsäure. Möglicherweise ist Alpha-
Liponsäure eine für den Menschen essentielle Substanz mit vitaminähnlicher Wirkung. Sie wurde 1952
erstmals aus Lebergewebe rein isoliert und die Struktur aufgeklärt. Charakteristisch für die Struktur der Alpha-
Liponsäure ist der Gehalt von zwei Schwefelatomen in einem Ringsystem. Dadurch kann Alpha-Liponsäure
ein sog. intramolekulares Redoxsystem bilden, das mit zahlreichen Oxidantien reagieren kann.
Diabetes mellitus
Zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie. Grundlage für die therapeutische Wirksamkeit bei
diesem Leiden ist die Erkenntnis, dass bei Diabetes mellitus Alpha-Liponsäure-abhängige Stoffwechselwege
in ihrer Aktivität eingeschränkt sind. Diese metabolischen Veränderungen können zu Funktionsausfällen von
Nerven, d.h. Taubheitsgefühlen (z.B. diabetischer Fuß) und Reflexausfällen führen. Durch die erhöhte Zufuhr
von Alpha-Liponsäure werden die bestehenden Enzymblockierungen aufgehoben bzw. verringert und der
Energiestoffwechsel aktiviert. Beim Patienten kommt es zu einer Verbesserung der Nervenleitfähigkeit. Meist
wird dabei zunächst Alpha-Liponsäure hoch dosiert (ca. 300-600 mg/Tag) intravenös verabreicht (ca. 2
Wochen lang), anschließend erfolgt eine orale Verabreichung von ca. 200- 400 mg/Tag.
Lebererkrankungen
Alpha-Liponsäure hat eine "leberschützende" Wirkung. Dabei wurde eine Senkung von pathologisch
erhöhten Leberwerten sowie eine Steigerung der Leberdurchblutung nachgewiesen. Die Dosierung beträgt bei
oraler Gabe ca. 100-300 mg/Tag.
Antiarteriosklerotische Wirkungen
Bei tierexperimentellen Untersuchungen wurden Schutzwirkungen gegen eine bei Tieren experimentell
ausgelöste Arteriosklerose festgestellt. Es wird angenommen, dass diese Effekte aufgrund der Antioxidans-
Eigenschaften (siehe Abschnitt Antioxidantien) der Alpha-Liponsäure auftreten.
Schwermetallvergiftungen
Alpha-Liponsäure wird bei Schwermetallvergiftungen eingesetzt. Die Aufnahme von Schwermetallen in die
Organe lässt sich dabei verringern. Insbesondere kann die Kupferausscheidung beim Morbus Wilson
gesteigert werden. Für Amalgamgeschädigte ist von besonderem Interesse, dass Alpha-Liponsäure in der
Lage ist, Quecksilber zu binden und es dadurch 12- bis 37 mal schneller als normal über die Galle
ausgeschieden werden kann.
Überdosierung und Nebenwirkungen
Nach oraler Zufuhr auch in sehr hoher Dosierung sind keine Nebenwirkungen bekannt.
Alpha-Liponsäure bei diabetischer Polyneuropathie
von Eva Melzer, München
Eine optimale Stoffwechselführung ist Grundvoraussetzung, um diabetische Spätfolgen zu vermeiden.
Eine einmal aufgetretene diabetische Polyneuropathie lässt sich durch eine gute Blutzuckereinstellung
jedoch nicht mehr beeinflussen. Beachtliche Erfolge verspricht hingegen der Einsatz von Alpha-
Liponsäure.
Häufig ist ein harmloses Kribbeln in den Füßen oder ein Gefühl, als ob man auf Watte liefe, das Erste, was ein
Diabetes-Patient von einer Polyneuropathie spürt. Fatal, denn diese Symptome werden allzu häufig lange Zeit
nicht ernst genommen oder gar ignoriert. Erst wenn der Fuß scheinbar aus heiterem Himmel schlecht heilende
Wunden aufweist oder sich dunkel verfärbt, suchen Betroffene ärztlichen Rat. Ausgelöst durch eine mangelhafte
Versorgung innerhalb der Nervenzellen, treten zunächst Funktionsstörungen und später Degenerationen
bis hin zum Axonuntergang auf. Der Patient nimmt diesen Prozess zunächst in Form von Brennen,
Schmerzen oder Störungen des Tastsinns, so genannten Parästhesien, wahr. Diese Symptome werden
bereits durch unterschwellige Reize ausgelöst oder entstehen spontan ohne äußeren Einfluss. Im weiteren
Verlauf der Erkrankung signalisieren herabgesetzte Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfindungen
den Funktionsausfall der betroffenen Nervenleitbahnen. Hier offenbart sich die Tücke dieser Störung: Durch
das eingeschränkte Empfindungsvermögen bemerkt der Patient nicht, wenn Druckstellen, Rötungen oder
Blasen entstehen. Auch kleine Risse der Haut bleiben unentdeckt. Unbehandelt entwickeln sich derartige
Bagatellverletzungen über Ulzera bis hin zum Gangrän – eine Amputation droht.
Damit es erst gar nicht soweit kommt, sind eine tägliche Pflege und Selbstbeobachtung der Füße sowie
geeignetes Schuhwerk erforderlich. Bei der Therapie steht zunächst die gute Stoffwechselführung des
Diabetikers im Vordergrund, wenngleich inzwischen wissenschaftlich belegt ist, dass selbst eine normnahe
Blutzuckereinstellung das Fortschreiten der Nervenschädigungen nicht aufhalten kann.
Die Therapiemöglichkeiten beschränkten sich bislang auf den Einsatz trizyklischer Antidepressiva,
Antikonvulsiva oder stark wirksamer Analgetika, um die teils massiven Schmerzzustände zu beherrschen. Auf
Grund der ausgeprägten Nebeneffekte und der ausschließlich symptomatischen Wirkungsweise eignen sich
diese Stoffe jedoch nur für eine vorübergehende Anwendung.
Mit dem Antioxidans Alpha-Liponsäure steht nun eine Substanz zur Verfügung, die nicht nur
symptomatisch wirkt, sondern auch durch Radikalbindung und Komplexierung von Metall-Ionen in die
pathophysiologischen Mechanismen eingreift. Dadurch verbessert sie die Blutversorgung der Nerven. Die
Ergebnisse einer bislang unveröffentlichten Metaanalyse, die vier randomisierte kontrollierte Doppelblindstudien
mit insgesamt 1258 Diabetikern umfasst, stellte Professor Dr. Dan Ziegler, Düsseldorf, auf einem
Presseworkshop in München vor. Wie die Analyse zeigt, reduziert eine dreiwöchige Infusionstherapie mit 600
mg Alpha-Liponsäure täglich (mit Pausen an den Wochenenden) die Hauptsymptome wie Schmerzen,
Parästhesien, Taubheits- und Kribbelgefühl signifikant. Auch funktionelle Defizite wie Muskelreflexe konnten
während der dreiwöchigen Beobachtungsdauer positiv beeinflusst werden. Sind jedoch im Verlauf der
Erkrankung bereits irreversible Degenerationen und Funktionsverluste an den Nervenfasern aufgetreten, lässt
sich die Funktion auch durch Alpha-Liponsäure nicht zurückgewinnen.
Die gute Verträglichkeit der Alpha-Liponsäure erwies sich in der Metaanalyse als maßgeblicher Vorteil
gegenüber den oben genannten symptomatischen Therapiemaßnahmen. Weitere Untersuchungen, inwieweit
sich die Substanz für eine orale Therapie bei diabetischer Polyneuropathie eignet, laufen derzeit. Erste
Ergebnisse hierzu werden jedoch erst in einigen Jahren erwartet.
(dgk/DDFI/vera) Alpha-Liponsäure, deren antioxidative Wirkungen bekannt sind, verbessert unter anderem die
Eigenschaften der Nervenleitung und die Durchblutung der Nerven. Aus diesem Grund ging eine
internationale Studiengruppe in der SYDNEY-Studie der Frage nach, ob Alpha-Liponsäure auch die bei der
diabetischen Nervenerkrankung auftretenden Beschwerden verbessert, berichtet das Deutsche DiabetesForschungsinstitut
(DDFI) in Düsseldorf. Außerdem sollten Sicherheit und Wirksamkeit von Alpha-Liponsäure
durch den "Total Symptom Score" beurteilt werden, einer Methode zur subjektiven Beschreibung der
neuropathischen Symptome durch eine Gesamtpunktezahl. 120 Studienteilnehmer mit stabiler
Blutzuckereinstellung, die an einer diabetischen Nervenerkrankung mit Empfindungsstörung (sensomotorische
Polyneuropathie im Stadium 2) litten, wurden in zwei gleiche Gruppen aufgeteilt (parallel, doppelblind). Die
eine Gruppe erhielt 600 mg Alpha-Liponsäure, die andere Gruppe ein Scheinmedikament (Placebo) als Infusion.
Beide Gruppen wurden insgesamt 14 Mal an fünf Tagen in der Woche, jeweils einmal täglich, behandelt.
Untersucht wurde die Änderung des Gesamtpunktezahl der täglichen Beurteilungen von Schwere und Dauer
der Nervenerkrankung im "Total Symptom Score" (primärer Endpunkt). Außerdem wurden die
Gesamtpunktezahlen der Zeichen und Symptome der diabetischen Nervenerkrankung, der
Nervenleitgeschwindigkeit, der Tests zur Prüfung der Hautempfindung (quantitative sensorische Tests) und
des Tests zur Bestimmung einer vegetativen Nervenerkrankung am Herzen ausgewertet (sekundäre
Endpunkte).
Zu Beginn der Studie unterschieden sich beide Gruppen nicht wesentlich hinsichtlich Stoffwechseleinstellung
und sekundärer Endpunkte. Nach 14 Behandlungen hatte sich der "Total Symptom Score" in der mit Alpha-
Liponsäure behandelten Gruppe um durchschnittlich 5,7 Punkte verbessert, in der Placebogruppe nur um
durchschnittlich 1,8 Punkte. Eine wesentliche Verbesserung zeigte sich im Vergleich zur Placebogruppe
ebenso bei jeder einzelnen Komponente des "Total Symptom Score" (stechende und brennende Schmerzen,
Taubheitsgefühl und Kribbeln), bei den Zeichen einer Nervenerkrankung, bei der
Nervenleitgeschwindigkeit und bei der zusammenfassenden Beurteilung der Schwere der Nervenerkrankung.
Aufgrund fehlender Nebenwirkungen und der Wirksamkeit auf die Beschwerden der Neuropathie ist die Alpha-
Liponsäure ein nützliches Medikament zur Behandlung der diabetischen Neuropathie, beurteilt Prof. Dr. Dan
Ziegler vom DDFI die Ergebnisse der Studie.